Linguistischer Dilettantismus
Die bisherigen euro-zentrierten Plansprachen haben ihre Begrenzungen in den mangelhaften linguistischen Kenntnissen ihrer Erfinder, die zum allergrößten Teil nur die englische Grammatik nachahmen ohne Sinn und Verstand, zudem dies als großer Errungenschaft anpreisen und sogar einige Anhänger finden. Es genügt eben nicht, sich hinzusetzen und eine Eins-zu-Eins-Relation zwischen den grammatischen Elementen bzw. dem Wortschatz einer bestimmten Sprache mit einer noch zu konstruierenden Sprache zu machen. Selbst hieran scheitern schon etliche Sprachkünstler, die kein Durchhaltevermögen, geschweige denn eiserne Disziplin haben, einen genügend großen Wortschatz zu schaffen.
Wenn man viele ihrer Sprachkonstruktionen unvoreingenommen betrachtet, kommt die Vermutung auf, dass sie sich in ihren Fährigkeiten übernehmen und mehr Wunschdenken und rosarote Hoffnungen hegen als Sachverstand und Selbstkritik. Sie sind leicht beleidigt, wenn ihre Fehlleistungen offenkundig sind und beharren umso stärker auf einem Irrweg als sich durch sachliche Argumente überzeugen zu lassen. Ihr Scheitern ist damit vorprogrammiert.
Oder sie werfen irgendwelche, künstlich geschaffene Wörter in den Raum mit der Hoffnung, die Menschen würden sie aufgreifen wie ein Hund einen zugeworfenen Knochen, sich daran erfreuen und munter miteinander kommunizieren. So einfach ist das Ganze nicht, ist einfach nur lachhaft.
Besonders frustrierend ist es für einen Spracherfinder, wenn er Hunderte von Stunden in sein Sprachprojekt investiert hat, ein Wörterbuch mit mehreren Tausend Wörtern erstellt hat, mit anderen im Internet in Kontakt getreten ist, aber niemand interessiert sich für seine Arbeit. Es nützt auch nichts, wenn er seine Sprache in Wikipedia selbst aufgelistet hat. Sie wird eine Plansprache unter anderen bleiben, ungenutzt, nur eine kurze Notiz.
Im Zeitalter des Internets und von Facebook gibt es auch Spracherfinder, die ihre Sprache "pushen" wollen, indem sie mit mehreren Pseudonymen auftreten und bei den anderen Teilnehmern den Anschein einer Vielheit hervorrufen. Diese Pseudonyme kommentieren sich gegenseitig, drücken auf den "Gefällt-Button" und sammeln fleißig "Freunde", um ihre Plansprache bekannt zu machen und Anhänger zu requirieren. Ein solches Vorgehen wird aber zum Misserfolg der jeweilig beworbenen Sprache führen, denn die Interessierten werden sich nicht an der Nase herumführen lassen.
Das hat es schon bei der Plansprache Ido gegeben, als der Hochstapler Louis Chevreux als "Marquis de Beaufront" auftrat und seine Zeitgenossen täuschte. Sein Konzept ging aber nicht auf, was eine Mahnung an heutige Sprachpropagandisten sein sollte, es ihm nicht nachzutun.
Will man eine allgemeine Sprache für das europäische Volk schaffen, sind profunde Kenntnisse der bestehenden und alten Sprachen notwendig, ist es außerdem notwendig über den Tellerrand hinzusehen und sich mit anderen Sprachmodellen auszukennen und ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein zu haben mit der Fähigkeit, kreativ zu sein und gleichzeitig logisch stringend zu denken, die Einzelteile harmonisch zu einem Ganzen zu vereinigen.
Das Englische als Grundlagensprache der neuen europäischen Hochsprache zu nehmen, fällt mit Sicherheit durchs Raster als ein ungeeignetes Kreol, ebenso wie seine Schwestersprache, das Deutsche, das den modernen Ansprüchen in keinerlei Weise genügt.
Während die Anglophonen nicht in der Lage sind, Vokale klar und deutlich als solche zu sprechen und eine störende Diphthongisierung vorziehen, ist das Deutsche zu einer hölzernen, lauten Sprache degeneriert mit einem Ballast an absolut überflüssigen und blödsinnigen grammatischen Elementen, fremden Pluralbildungen, einem unübersichtlichen Satzbau und einem heterogenen Wortschatz mit Dublettenwörtern, dreifach vorhandenen Präfixen (z. B. über - super - hyper), schrecklichen Konsonantenhäufungen und einer unschönen Zischlautorgie. Deutsch ist eine schwierige Sprache, aber veraltet, fade und überlebt nur durch die Aufnahme fremder Wörter. Dem Deutschen wurde in seiner Geschichte eine neue Morphologie, insbesondere aus dem Lateinischen, und Wortentlehnungen, Lehnübersetzungen aufgepropft, so dass es dadurch in der Lage war, in einer fortschreitend komplexeren Gesellschaft adäquate Kommunikationsmöglichkeiten zu finden. Ohne das Lateinische wären die Deutschen nicht zu dem Kulturvolk geworden, was sie heute noch sind. Jedoch ging die Ordnung und Übersichtlichkeit im Deutschen unter.
Das kreative deutsche Volk hat schon immer in seiner Geschichte revolutionäre Neuerungen geschaffen und die übrigen Völker "verblüfft" oder "geärgert". Es kannte keine blutigen Revolutionen wie die französische oder russische Revolution. Seine Spezialität waren die geistesgeschichtlichen Revolutionen.
Als Nächstes steht die Vereinigung Europas an, die neben den ökonomischen und politischen Voraussetzungen auch die sprachliche Vereinigung über eine europäische Sprache erfordert.
Die sprachliche Vereinigung sehe ich so: Vielfalt der Kultursprachen + gemeinsame zweite (Plan)sprache!
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